03-Internationales Recruiting
Die Blaue Karte. Ein uneingeschränkter Erfolg?

Eine Artikelserie zu Herausforderungen und Benefits

Bei der Suche nach internationalen Fachkräften hat sich die Blaue Karte EU (EU Blue Card) für deutsche Unternehmen als ein erfolgreiches Instrument zur Anwerbung entwickelt. Gerade durch die transparenten Kriterien und Voraussetzungen hat sich die Blaue Karte EU als Marke etabliert, die auf Grundlage erworbener Qualifikationen und Abschlüsse einen einfachen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt ermöglicht. Dabei beschränkt sich die Vergabepraxis nicht nur auf neueingereiste Hochqualifizierte, sondern wird auch an Personen vergeben, die sich bereits mit anderen Aufenthaltstiteln in Deutschland befinden. Hierdurch hat sich die Blaue Karte EU auch als ein Alternativweg für hochqualifizierte Migranten und ausländische Studenten entwickelt, um ohne dauerhafte Niederlassungserlaubnis Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu erhalten.

Ein Blick auf die Zahlen bestätigen diesen Trend. Seit der Einführung am 1. August 2012 wurde die Blaue Karte EU bis zum Ende des Jahres 2015 insgesamt 41.624 mal ausgestellt, davon 20.006 an neueingereiste Hochqualifizierte und 21.618 an Personen, die sich bereits mit anderen Aufenthaltstiteln in Deutschland befanden. Im europäischen Vergleich belegte Deutschland im Jahr 2015 mit 85,5% aller erteilten Blauen Karten die Spitzenposition. Es folgten Frankreich (3,9%), Polen (2,2%) und Luxemburg (2,0%).[1] Im ersten bis dritten Quartal 2016 kamen die größten Gruppen von Antragstellern aus Indien (22,7%), China (8,7%), der Russischen Föderation (7,4%), Ukraine (4,9%) und Syrien (4,5%).[2] 

Wie sehen die konkreten Vorgaben zum Erwerb der Blauen Karte EU aus? Auf Grundlage des § 19a des Aufenthaltsgesetzes – AufenthG, wird Angehörigen aus Drittstaaten (für EU-Bürger gilt die Freizügigkeit) der Aufenthalt zur Erwerbstätigkeit für vier Jahre erteilt, wenn der Arbeitsvertrag unbefristet ist oder für eine Laufzeit von mindestens vier Jahren erteilt wurde. Bei kürzeren Arbeitsverträgen wird die Blaue Karte EU für die Dauer des Arbeitsvertrages zuzüglich drei Monaten erteilt. Weitere Voraussetzung ist der Besitz eines deutschen, anerkannten ausländischen oder einem dem deutschen vergleichbaren ausländischen Hochschulabschluss. Das Jahresgehalt für die anzutretende Stelle in Deutschland muss mindestens 50.800 Euro Brutto betragen. Für Mangelberufe gilt ein vermindertes Jahreseinkommen von 39.624 Euro. Als

Mangelberufe zählen derzeit Naturwissenschaftler, Mathematiker, Architekten, Raum-, Stadt- und Verkehrsplaner, Designer, Ingenieure, Ingenieurswissenschaftler, Humanmediziner sowie akademische Fachkräfte in der Informations- und Kommunikationstechnologie. Bei einem Gehalt unter 49.600 Euro und einem ausländischen Hochschulabschluss erfolgt eine Vorrangprüfung durch die Bundesagentur für Arbeit und ob das vereinbarte  Einkommen dem ortsüblichen Niveau entspricht. Nach 33 Monaten kann Besitzern der Blauen Karte eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis erteilt werden. Verfügt der Besitzer über Deutschkenntnisse, die mindestens dem Niveau B2 entsprechen, ist dieser Schritt bereits nach 21 Monaten möglich.

Kritik an der Blauen Karte kommt hinsichtlich der abgesenkten Mindesteinkommensgrenze von Seiten der Gewerkschaften, die darin ein Einfallstor für Lohndumping sehen.[3] Im Gegensatz hierzu fordern Wirtschaftsverbände eine weitere Absenkung der Gehaltsschwellen und Ausdehnung der Blauen Karte EU auch auf Mangelberufe im Ausbildungsbereich um den Fachkräftemangel in Bereichen wie der Alten- und Krankenpflege, technischen und handwerklichen Berufen. Hierdurch könnten auch kleinere Betriebe ihren Bedarf an Fachkräften decken.[4] Der Erfolg der Blauen Karte EU ist unstrittig. Nun geht es darum das Erfolgsmodell für die Zukunft anzupassen.

[1] Quelle: Eurostat 2015.
[2] Auszählung des Ausländerzentralregisters Stichtag 30.9.2016 durch das BAMF.
[3] Vgl. http://www.arbeitsrecht.de/arbeit-politik/2011/12/08/zuwanderung-dgb-kritisiert-geplante-blue-card.php und https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2012/38485645_kw17_pa_inneres/208250
[4] Vgl. http://www.iwkoeln.de/studien/iw-kurzberichte/beitrag/blaue-karte-erfolgsmodell-mit-verbesserungspotenzial-293490

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